Schätze des Havelland - Reisebericht

Kulturhistorische Schätze entdeckt

„Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland, ein Birnbaum in seinem Garten stand...“ Wer kennt sie nicht, die Ballade von Theodor Fontane. Viele Generationen von Schülern mussten sie auswendig lernen und im Unterricht vortragen. Das Dorf Ribbeck und den Stumpf des besagten Birnbaums – ein Sturm hatte ihn 1911 umgeworfen – hatte die Gruppe mit Pfälzern und Saarpfälzern auf ihrer Tour zwar nicht gesehen, dafür aber der Ballade im Reisebus gelauscht.

20 Frauen und Männer aus dem Bistum Speyer nahmen vom 2. bis 7. Juli an einer „pilger“-Leserreise ins Havelland teil und konnten dort jede Menge kunsthistorische Schätze entdecken. Untergebracht war die Gruppe im Kloster Lehnin, einer ehemaligen Zisterzienserabtei, die 1180 von Markgraf Otto I. von Brandenburg gegründet wurde. Sie war die erste in der Mark Brandenburg. Die gotische Anlage befindet sich inmitten der gleichnamigen Gemeinde, die etwa 40 Kilometer südwestlich von Potsdam liegt und ihren Namen dem Kloster verdankt. Nach wechselvoller Geschichte wurde das Kloster Lehnin im Jahr 1542 säkularisiert. Seit 2004 gehört die Anlage mit ihren vielen historischen Gebäuden, aber auch mit modernen Neubauten, zum Evangelischen Diakonissenhaus Berlin Teltow Lehnin. In Lehnin sind unter anderem ein Altenhilfezentrum, Angebote für betreutes Wohnen, eine geriatrische Rehabilitationsklinik, ein stationäres Hospiz, eine Klinik für innere Medizin sowie eine Ausbildungsstätte für Pflegeberufe ansässig. Neben der diakonischen Arbeit wird auch das christliche Gemeinschaftsleben groß geschrieben. So besteht im Kloster auch die Möglichkeit, zu tagen oder Urlaub zu machen. Bei einer Führung über das Gelände des Klosters Lehnin lernte die Reisegruppe die wechselvolle Geschichte der ehemaligen Zisterzienserabtei mit der dazugehörigen Klosterkirche kennen.

Zu den weiteren Höhepunkten der Reise zählte der Besuch der brandenburgischen Landeshauptstadt Potsdam. „Es gibt 20 Schlösser in der Stadt und der näheren Umgebung. In Preußen ist man baufreudig gewesen“, betonte Gästeführer Wolfgang Eisert zu Beginn der rund dreieinhalbstündigen Tour. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Potsdam im Jahr 993. Seine Blütezeit erlebte die preußische Stadt ab der Mitte des 17. Jahrhunderts als sich Kurfürst Friedrich Wilhelm in Potsdam niederließ. Friedrich II. der Große verdankt Potsdam unter anderem das Neue Palais (erbaut 1763 bis 1769) und das Schloss Sanssouci (erbaut 1745 bis 1747). Das Neue Palais an der Westseite des Parks Sanssoci lernte die Reisegruppe bei einer Führung kennen. Es diente zunächst als Schloss für Gäste des Hofes. Im Jahr 1914 unterzeichnete Kaiser Wilhelm II. in der letzten bedeutenden Schlossanlage in Preußen die Mobilmachung, die den Ausbruch des Ersten Weltkriegs auslöste. Viele Sehenswürdigkeiten der Stadt konnten die Teilnehmer auch bei einer Schlösserrundfahrt auf dem Deck eines Schiffes auf der Havel bewundern.
Kronprinz Friedrich Wilhelm III. und seine Gemahlin Luise, die in elf Jahren zehn Kinder gebar und bereits mit 34 Jahren starb, mochten es eher bescheiden. Das Schloss Paretz, etwa 20 Kilometer von Potsdam entfernt, ließ das Paar von 1797 bis 1804 als Sommerresidenz errichten. Mit seinen einfachen Böden und den Papiertapeten erinnert es eher an ein Landhaus. „Hier könnte ich mir auch vorstellen, einzuziehen“, zeigten sich einige der Teilnehmerinnen während der Führung begeistert. Weitere Ziele der Reise waren die Stadt Brandenburg und die mittelalterliche Burg Ziesar, die von der Mitte des 14. Jahrhunderts bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts den Bischöfen von Brandenburg als Residenz diente.
Eine Zeitreise in das Jahr um 1910 unternahmen die Pfälzer und Saarpfälzer im kleinen Städtchen Werder. Im Café„Muckerstube“ gab es selbst gebackenen Kuchen auf Tellern wie zu Omas oder Uromas Zeiten. Die „Muckersche“, alias Heidemarie Garbe, erzählte dabei mit Herz und Schnauze Geschichten aus der uralten Zeit. Den Abschluss bildete eine Obstweinprobe. Werder liegt inmitten des größten Obstanbaugebietes Deutschlands.

Professor Dr. Hans Ammerich, der ehemalige Leiter des Bistumsarchivs Speyer, brachte den Teilnehmern während der Reise die geschichtlichen Hintergründe näher und gab interessante Hinweise zu den verschiedenen Zielen. Darüber hinaus gewährte er an einem Abend im Rahmen eines Vortrages Einblicke in das Leben Theodor Fontanes (1819 bis 1898), der in Neuruppin in Brandenburg geboren wurde.
Dank Busfahrer Thomas Kostka kehrte die Gruppe wieder sicher nach Hause zurück. „Bis auf die organistorischen Mängel, die nicht in der Verantwortung der Reiseleitung lag, haben sich meine Erwartungen erfüllt“, bekräftigte Wilhelm Grube aus Homburg am Ende der Tour. Gewünscht hätte er sich vor allem eine bessere Betreuung vor Ort von Seiten des Klosters. „Das Programm war toll“, zeigte sich Christine Herz aus Homburg begeistert. Fasziniert habe sie vor allem ihre Unterkunft in einem backsteingotischen Haus mit dem Blick auf die Abteikirche des Klosters Lehnin. „Es war ein tolles Gefühl, in so einem alten Gebäude zu wohnen.“ (pede)

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