Pilgern

Aufbruch im Glauben – unterwegs mit Menschen

„der „pilger“- woher hat eigentlich die Speyerer Bistumszeitung ihren Namen? In der kirchlichen Sprache bezeichnet der Begriff der Pilgerschaft den Besuch der Stätten des Lebens und Leidens Christi im Heiligen Land, aber auch Pilgerfahrten zu Wallfahrtsstätten wie Rom oder Santiago de Compostela. In der christlichen Lehre deutet der „Pilgerstand“ das Leben des Menschen auf Erden als ein Unterwegssein zu seinem eigentlichen, überirdischen Ziel. In der Kunst wurde das Bild des Pilgers zum bildlichen Topos. Sein Ausgangspunkt ist der Jakobspilger des Spätmittelalters, der zum Grab des Apostels Jakobus ins spanische Santiago de Compostela unterwegs ist. Sein Abzeichen, die Muschel, wurde zum Kennzeichen für alle Pilger und Pilgerpatrone. Während des ganzen Mittelalters blühten Pilgerschaft und Wallfahrtswesen. Unter großen persönlichen Opfern und unter Gefahr für Leib und Leben zogen die Menschen nach Jerusalem, Santiago de Compostela, Rom, Padua, Assisi oder zum Mont-Saint-Michel, im deutschsprachigen Raum nach Altötting, Mariazell, Sachseln oder zum elsässischen Odilienberg. Die Zahl der Wallfahrtsorte wuchs stark an. Allein im Bistum Speyer gibt es rund vierzig Wallfahrtsorte mit zumeist lokaler Tradition.

Die katholische Kirchenzeitung der Pfalz und Saarpfalz ist eng mit der Pilger-Idee verbunden. Den Grund dafür muss man in der Gründerzeit, der gesellschaftlichen, politischen und kirchlichen Aufbruchstimmung Mitte des 19. Jahrhunderts, suchen. Als erste Bistumszeitung in Deutschland überhaupt erschien im Januar 1848 der "Christliche Pilger". Aufbruch und Unterwegssein, die Kennzeichen der Pilgerschaft, spielten für die Benennung der neuen Speyerer Bistumszeitung eine Rolle. Für das recht kleine und damals ins seiner Gestalt noch junge Bistum Speyer bedeutete die Herausgabe einer eigenen Zeitung einen Aufbruch. Mit dem „Christlichen Pilger“ bediente man sich eines neuen Mediums, das in der „Leserevolution“ des Vormärz und der Revolutionsjahre um 1848 immer größere Verbreitung fand. Das neue Bistumsblatt bot der Bistumsleitung die Möglichkeit, breite Bevölkerungsschichten zu erreichen. Auch die Kirche wandte sich damit den Herausforderungen der Zeit zu und begann, sie sich nutzbar zu machen. Pilger-Motive zierten lange Zeit auch die Titelseiten der Wochenzeitung – die dargestellten Pilger waren im Laufe der Jahrzehnte jedoch der ein oder anderen Veränderung unterworfen:

Die erste Pilgerzeichnung von 1848: Das Reisegepäck auf dem Rücken, den Stab fest in Händen, schreitet ein Mann durch eine Hügellandschaft. Sein Blick ist in die Ferne, auf ein unbekanntes Ziel hin gerichtet. Das lange wallende Gewand und der große Hut, den eine Muschel ziert, kennzeichnen den Wanderer als Pilgersmann.

Dieser Entwurf des Malers Johannes Schraudolph, der seit 1843 an der Ausmalung des Speyerer Domes arbeitete, erschien am 8. Januar 1848 als Titelbild der von Domvikar Franz Hällmeyer neu gegründeten Speyerer Bistumszeitung „Der christliche Pilger“. Dieser erste Pilger-Kopf fand bis 1857 Verwendung.

Dann verändert die Pilgerfigur bei ansonsten nahezu gleicher Gestaltung des Zeitungskopfes erstmals ihre Gestalt: Neu sind Kleidung und Haltung des Pilgers. Statt des breitkrempigen Hutes trägt er nun einen langen Kapuzenmantel mit Pelerine, an der die Pilgermuschel angebracht ist. Auf seiner rechten Körperseite hängt die Pilgerflasche. Am Pilgerstab sieht man deutlich die Aufhängung dafür. Auch in der neuen Zeichnung schreitet der Pilger kräftig voran. Sein Blick ist nicht vorwärts, sondern rückwärts gewandt. Mit der ausgestreckten Linken deutet er auf einen Bildstock am Wegrand, als wolle er den Daheimgebliebenen den Weg zu dem Ziel weisen, zu dem er sich bereits aufgemacht hat. So scheint der Pilger seinen Mitchristen eine Orientierungshilfe für ihren Lebensweg zu geben – ganz so, wie es das Bistumsblatt im gedruckten Wort tut.

Einen einschneidenden Wandel erfährt der Pilger-Kopf am 1. Januar 1911. Die Erweiterung des Inhalts und ein neues Format der Bistumszeitung erfordern auch eine Neugestaltung des Titels. Die Pilgerdarstellung rückt ins äußerste linke Viertel der Titelseite. Statt des Stabes mit der Aufhängevorrichtung für die Pilgerflasche hält der Pilger einen Kreuzstab in Händen. Haltung und Tracht sind unverändert. Während der Wanderer jedoch in den vorhergehenden Ausgaben auf einen Bildstock zeigt, weist er jetzt über das am Wegrand stehende Marterl hinaus in eine unbestimmte Ferne, zu einem höheren Ziel.

Am 4. Januar 1912 kehrt das Titelblatt jedoch wieder teilweise zur Gestaltung von 1857 zurück. Das Pilgerbild steht wieder in der oberen Mitte. Mit einem ausgeprägt schmuckfreudigen Kopf erscheint der „Pilger“ dagegen am 6. Januar 1924 während der Pfälzer Separatistenzeit. Erstmals wird in dieser Ausgabe ein deutlicher Heimatbezug geschaffen. Den Pilgersmann zeigt sich in Kapuzenmantel mit Pelerine und hakenbekröntem Wanderstab in einer neutralen Hügellandschaft. Er blickt zurück und weist nach vorn. Das Bild rahmen Schmuckleisten aus Weinlaub und Trauben zu beiden Seiten. Im linken Bild ist eine Nordostansicht des Speyerer Domes, im rechten die Klosterruine Limburg zu sehen. Beide Motive verweisen auf das Bistum Speyer und die Pfalz. Ihre Außenseiten zieren Bildleisten aus stilisierten Ähren. Weintrauben und Ähren sind ebenfalls charakteristisch für die von Weinbau und Landwirtschaft geprägte Region, lassen sich aber auch als Anspielungen auf das eucharistische Opfer Christi interpretieren.

1928 ändert sich nicht nur der Untertitel „Ein katholisches Sonntagsblatt“ in „Sonntagsblatt für das Bistum Speyer“. Unser Pilger kommt nun mit Kapuzenmantel, Pelerine und Stab mit Aufhängevorrichtung. Die Pilgerflasche ist einer Umhängetasche gewichen. Der Blick des Wanderers richtet sich nach vorn zum Betrachter, seine Linke weist auf den Bildstock am Wegrand. Der Pilger ist hier in eine eindeutig pfälzische Landschaft gesetzt. Er kommt aus Speyer, das links mit einer Nordwestansicht des Domes abgebildet ist. Rechts, auf dem Weg des Mannes, liegt eine Hügellandschaft mit drei Burgen, die wohl auf Annweiler verweist. Trauben und Weinlaub ranken sich am Boden.

Das neue Titelbild vom 4. Januar 1931 spiegelt in seiner Stimmung die im Vorfeld der nationalsozialistischen Machtergreifung spürbare Gefahr. In einem einfachen Rahmen stehen Haupt- und Untertitel. Im Bildzentrum darunter eine Nordansicht des Domes. Links davon kniet barhäuptig der Pilger in seiner Tracht. Den Stab über die linke Schulter gelegt, den Kopf ehrfurchtsvoll gesenkt, ist er ganz ins Gebet versunken. Vor ihm steht, rechts des Domes, ein Marterl mit dem Gekreuzigten.

Am 5. Januar 1936 erfolgt eine Rückkehr zu alten Motiven. Unter dem Haupt- und zu beiden Seiten des Untertitels ist der wandelnde Pilger mit Kapuzenmantel, Pelerine, Pilgerflasche und Stab zu sehen. Er blickt zurück und weist nach vorn, auf einen Bildstock. Rechts ist eine Ostansicht des Domes abgebildet.

1945 erscheint der „Pilger“ nach vierjähriger, erzwungener Unterbrechung in neuem, durch Sparzwänge, Papier- und Energiemangel bedingt schlichtem Gewand ohne Titelbild. Das „Pilgermännel“ ist seit der ersten Ausgabe 1940 bereits verschwunden. Das romantische Bildmotiv paßte nicht mehr in die harte Zeit der Diktatur und des Krieges.

1962 erhält die Bistumszeitung abermals ein neues Titelblatt. Bereits zwei Jahre zuvor erfuhr er mit der Kürzung des traditionsreichen Titels „Der christ­liche Pilger“ eine einschneidende vieldiskutierte Veränderung. Seit dem 4. Dezember 1960 erschien er unter dem Titel „der pilger“, um ihn dem gewandelten Empfinden der Zeit anzupassen.  

 

Seit 1848: Älteste deutsche Bistumszeitung

"der pilger" ist die katholische Kirchenzeitung im Bistum Speyer und damit die Zeitung für die Katholiken in der Pfalz und der Saarpfalz. Die Kirchenzeitung hat eine lange Tradition: sie ist die älteste Bistumszeitung in Deutschland. Die erste Ausgabe erschien am 1. Januar 1848, damit weit vor der Vatikan-Zeitung "Osservatore Romano" etwa, die erst 1861 erstmals erschien. Maßgeblicher Motor bei der Gründung der Speyerer Kirchenzeitung "der pilger" war der damalige Bischof von Speyer, Nikolaus von Weis. Ihm schwebte eine Zeitung für das Kirchenvolk vor. Eigentlicher Gründer aber war Domvikar Franz Hällmeyer. Hällmeyer – gerade mal 34 Jahre alt – verstand es, die neu aufbrechende Glaubensbegeisterung im Volk durch Beiträge in der neuen Kirchenzeitung zu fördern; gleichzeitig beleuchtete er gesellschaftliche und politische Strömungen.

Als "der pilger" im Revolutionsjahr 1848 das Licht der Welt erblickte, befanden sich das deutsche Vielstaatenland und Europa in großen Umbrüchen. Telefone und Schreibmaschinen gab es in dieser Zeit noch nicht. Dennoch schaffte es "der pilger", die Katholiken des Bistums Speyer, das erst 1817/21 aus Teilen der früheren Bistümer Metz, Trier, Straßburg und Mainz wieder neu gegründet worden war, zu einen und einer "Bistumsfamilie" werden zu lassen.

Als zentrales Kommunikationsorgan der Katholiken im Bistum Speyer versteht sich die Kirchenzeitung "der pilger" auch heute. Die Berichterstattung aus den Pfarreien der Diözese nimmt bis jetzt einen breiten Raum ein. Doch informieren auch Hintergrundberichte und Reportagen über das Geschehen in der Weltkirche. Kommentare zu Kirchen- und Weltpolitik helfen, die eigene Meinung für sich zu klären oder zu überdenken. Gebete, geistliche Texte und Auslegungen zu den jeweils aktuellen Sonntagsevangelien und anderen Passagen aus der Bibel bieten genug spirituelle Impulse für ein intensives Leben mit und aus dem christlichen Glauben. Doch bietet "der pilger" auch Unterhaltung und Kurzweil: Buch- und Spieletipps, Kurzgeschichten, Rätsel oder Kochrezepte. Regelmäßig enthält die Speyerer Kirchenzeitung auch Kinderseiten. Von Anfang an machte sich "der pilger" für die Mission stark – heute betreut die Kirchenzeitung des Bistums Speyer die Aktion "Silbermöwe". Das ist eine Spenden- und Hilfsaktion, mit der "Pilger"-Leser die aus der Pfalz und der Saarpfalz stammenden Missionare sowie Entwicklungshelfer in aller Welt unterstützen.

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