Pilgern

Pilgerstätte seit Jahrtausenden: Jerusalem und das heilige Land

Jerusalem vom Ölberg aus. Foto: Steffi Pelz/pixelio.de

Das heilige Land und Jerusalem sind von jeher wichtige und beliebte Ziele für Pilger und Touristen. Wer das heilige Land besucht, begegnet dort den Stätten, wie sie in der Bibel genannt sind - der See Genesaret, Bethlehem, Jerusalem... Wer einmal dort war, liest die Bibel mit anderen Augen. Eine Reise ins Heilige Land ist für christliche Pilger immer auch eine Begegnung mit dem eigenen Glauben.  

Wichtigstes Ziel im Heiligen Land ist - trotz der vielen politischen Spannungen und nicht enden wollenden Konflikte - Jerusalem. Die Stadt ist für die drei monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam eine zentrale Stadt. Daran erinnern heute archäologische Zeugnisse und Heiligtümer, die sogenannten heiligen Stätten. Kaum eine andere Stadt hatte eine solch wechselvolle Geschichte. Immer wieder änderten sich die politischen Machtverhältnisse.

Für Juden ist Jerusalem die Stätte des Tempels und die Hauptstadt des alten Israel. Christen verbinden mit der Stadt den Kreuzestod und die Auferstehung Jesu und damit den Kern ihres Glaubens. Muslime sehen in Jerusalem, das der Prophet Mohammed nach der Tradition in einem nächtlichen Himmelsritt aufsuchte, die drittwichtigste heilige Stätte nach Mekka und Medina.

Juden an der Klagemauer. Foto: Carsten Raum/pixelio.de

Erstmals wird Jerusalem in einem Zeugnis um 2000 vor Christus erwähnt. Ab dem ersten Jahrtausend vor Christus war es Hauptstadt des alten Israel. 63 vor Christus wurde die Stadt von den Römern erobert, die bei der Niederschlagung eines Aufstands 70 nach Christus den gewaltigen herodianischen Tempel zerstörten. Nach der christlich-byzantinischen Herrschaft übernahmen im siebten Jahrhundert die Perser die Macht in Palästina. Seitdem gehörte Jerusalem - nur unterbrochen in der Kreuzfahrerzeit (1099-1187) - zum muslimischen Herrschaftsbereich. Die osmanische Epoche dauerte vom 16. Jahrhundert bis zum britischen Mandat, das der Völkerbund nach dem Ersten Weltkrieg 1920 erteilte.

Islamischer Felsendom. Foto: johnny b/pixelio.de

1947 beschlossen die Vereinten Nationen eine Internationalisierung. Dieser Status gilt völkerrechtlich bis heute, wird aber weder von Israelis noch von Palästinensern akzeptiert. Von 1948 bis 1967 war die Stadt zwischen Jordanien und Israel geteilt. Die Knesset, das israelische Parlament, erklärte Jerusalem 1980 zur "ewigen Hauptstadt Israels"; dieser Anspruch findet international kaum Rückhalt. Die Botschaften sind fast alle in Tel Aviv. Im Friedensprozess zwischen Israelis und Palästinensern in der ersten Hälfte der 90er Jahre wurde die Frage nach dem endgültigen Status vertagt; beim ergebnislosen Gipfel in Camp David im Jahr 2000 war sie ein Grund für das Scheitern.

Nach jüngster israelischer Statistik leben im Großraum Jerusalem 1,36 Millionen Menschen. Dazu zählen aber Teile, die tief in die palästinensischen Gebiete hineinreichen.

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Die Dormitio-Abtei Hagia Maria Sion

Die Dormitio-Abtei Hagia Maria Sion in Jerusalem.

Die deutschsprachige Benediktinerabtei Hagia Maria Sion auf dem Zionsberg am Rande der Altstadt gehört auffallend zur Silhouette Jerusalems. Der Bau des Klosters, das vielen Pilgern und Touristen unter ihrem langjährigen Namen "Dormitio" vertrauter ist, begann im März 1906. Das markante Gotteshaus befindet sich dort, wo die kirchliche Tradition das Pfingstereignis fest macht, das als Geburtsstunde der Kirche gilt. In direkter Nachbarschaft erinnert der - nicht historische - Abendmahlssaal an das Letzte Abendmahl Jesu.

Im Oktober 1898 besuchte der deutsche Kaiser Wilhelm II. Jerusalem. Unter anderem nahm er an der Einweihung der evangelischen Erlöserkirche im Herzen der Jerusalemer Altstadt teil. Im Zuge dieser Palästina-Reise kaufte er - um den konfessionellen Proporz bedacht - ein Grundstück außerhalb der Altstadt und überließ es dem Deutschen Verein vom Heiligen Land "zur freien Nutznießung im Interesse der deutschen Katholiken". Acht Jahre später trafen die ersten drei Mönche aus der süddeutschen Abtei Beuron auf dem Zion ein und begannen mit den Aufbauarbeiten für ein Kloster, das an "Mariä Heimgang" (lateinisch: "Dormitio Mariae" erinnern sollte. Im April 1910 wurde die Kirche geweiht, das Kloster 1926 zur Abtei erhoben.

Von 1948 bis 1951 waren die Mönche evakuiert, weil das Kloster sehr nahe an der Grenze zwischen Israel und der - damals jordanischen - Altstadt lag. In den Kriegen 1948 und 1967 wurde das Kloster beschädigt. Seit Ende der 60er Jahre gewinnt die Abtei an Bedeutung, wofür Pater Benedikt Klein (1928-2002) als Abt von 1969 bis 1979 entscheidende Weichen stellte. Unter anderem ist sie durch ihr Engagement in der Ökumene und für die Aussöhnung zwischen Israelis und Palästinensern bekannt. Seit 1973 gibt es an der Abtei auch ein Theologisches Studienjahr für junge Deutsche.

Seit 1995 leitet Abt Benedikt Lindemann (52) die Gemeinschaft. Er ist der fünfte Benediktiner an der Spitze des Konvents seit 1926. 1998 entschieden sich die Mönche zu einem Namenswechsel. Aus der Dormitio-Abtei wurde die Abtei Hagia Maria Sion. Das nimmt Bezug auf eine byzantinische Vorgängerkirche an dieser Stelle, die "Hagia Sion". Zudem soll der Name die besondere Beziehung des Ortes zu Maria betonen. Zur Abtei gehören heute 21 Benediktiner aus Deutschland und anderen Ländern Mitteleuropas - übrigens stammt ein Pater aus dem Bistum Speyer: Pater Elias, alias Walter Pfiffi, lebt in der Dormitio-Abtei, früher war er Pfarrer im Raum Pirmasens. 

Weitere Infos auf www.dormitio.net

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