Pilgern

Alle Wege führen nach Rom

Der Petersdom. Bild: m-o-d/pixelio.de

Alle Wege führen nach Rom, sagt das Sprichwort. Für Rom-Wallfahrer erfüllt es sich auf besondere Weise. Rom kann man einfach nur als Tourist besuchen, das antike Rom entdecken, das barocke Rom und die quirlig-lebensfrohe Hauptstadt der Italiener. Vatikan und Petersdom stehen auf jedem normalen Reiseprogramm für die „ewige Stadt“. 

Vatikan. Regierungspalast. Bild: Bildpixel/pixelio.de

Wer nach Rom pilgert, kann nicht nur das Zentrum der katholischen Kirche für sich entdecken, sondern findet viele Spuren des frühen Christentums. Daneben kann der Rom-Pilger die katholische Kirche als große, weltumfassende Gemeinschaft erleben. Aus aller Welt streben Kirchenmänner (und Kirchenfrauen) nach Rom. Ein Besuch des Vatikans, wo die Römische Kurie, die Leitung der Weltkirche ihren Sitz hat, gehört natürlich auch dazu. Und neben einer Papst-Audienz bietet sich geradezu die Mitfeier der großen Gottesdienste im Kirchenjahr in Rom an. Ein besonderes Erlebnis sind die Tage der Heiligen oder Großen Woche, also zwischen Palmsonntag und Ostersonntag. Die Mitfeier dieser wichtigsten Woche des ganzen Kirchenjahres, speziell der Osternacht, zieht jährlich unzählige Pilger an.

 

Das Kolosseum. Bild: Bildpixel/pixelio.de

Rom galt in der Antike als das Zentrum der Welt. Das junge Christentum war vor allem eine Religion der Städte – also brachten die ersten Missionare die neue Religion auch nach Rom. Als erster Bischof von Rom gilt der Apostel Petrus, der nach anderer Überlieferung auch die christliche Gemeinde gegründet haben soll. Etwa 67 nach Christus starb er als Märtyrer bei einer frühen Christenverfolgung im Zusammenhang mit dem Brand Roms. Auf dem Friedhof bei den vatikanischen Gärten soll Petrus beigesetzt worden sein. Die Christen besuchten sein Grab und verehrten die Stätte sehr, so dass dort bald eine Art Mausoleum entstand. 313 wurde das Christentum durch Kaiser Konstantins Toleranzedikt römische Staatsreligion. Der Kaiser ließ über Petrus' Grab eine erste Peterskirche bauen. Bis heute birgt der Dom St. Peter in Rom das Grab des ersten Papstes.

 

St. Paul v. d. Mauern. Bild: Bildpixel/pixelio.de

Wie Petrus wird auch der Apostel und Völkermissionar Paulus zu den Gründern der christlichen Gemeinschaft in Rom gezählt. Auch Paulus starb als Märtyrer in Rom, etwa zur selben Zeit wie Petrus. Paulus Grab' befindet sich – auch nach neueren Forschungen – wohl unterhalb der Kirche St. Paul vor den Mauern. Dort wurde im Jahr 2005 vermutlich der Sarkophag des großen Missionars wiederentdeckt.

Wer auf den Fährten der ersten Christen pilgern will, besucht die Katakomben, die alten Begräbnisstätten und Gottesdienstorte der frühen Christen. Ein Besuch dort und an den Apostelgräbern macht dem Rom-Pilger deutlich, wie alt der christliche Glaube ist und dass zahlreiche Generationen ihre Hoffnung auf die christliche Kirche gesetzt haben. Ein Besuch Roms ist fast wie eine Reise ins Heilige Land eine Wallfahrt zu den Quellen des Christentums. 

Ein grandioser Blick bietet sich vom Petersdom auf den Petersplatz. Bild: Bildpixel/pixelio.de

„Wie ich Rom erlebte“ – der Speyerer Dompfarrer Matthias Bender

Domkapitular Matthias Bender.

In Rom studieren Priesteranwärter und Theologen aus der ganzen Welt. Auch aus deutschen Bistümern werden regelmäßig Männer zum Studium nach Rom geschickt. Einer von ihnen war der Speyerer Dompfarrer und Domkapitular Matthias Bender. Wie hat er Rom erlebt?

Herr Pfarrer Bender, wie kamen Sie zu einem Theologiestudium in Rom?

Die Mitarbeit in der Pfarrjugend und in meiner Heimatpfarrei in Zweibrücken-Ixheim, auch das Vorbild der Pfarrer dort, ließen bei mir den Entschluss reifen, selbst Priester zu werden. Mein Studium der Theologie und Philosophie habe ich in Frankfurt-St. Georgen begonnen. Mit 21 dann habe ich es in Rom fortgesetzt. Mit Unterbrechungen war ich zwischen 1977 und 1989 in Rom, dort habe ich als Schwerpunkt Theologiegeschichte und Patristik studiert. 1981 wurde ich in Rom zum Priester geweiht.

Ende der 1970er-Jahre – das war in Rom bestimmt eine sehr bewegte Zeit?

Ja, ich kam ja vor dem Dreipäpste-Jahr 1978 nach Rom. Und einen besonderen Bezug hatte ich zu allen drei Päpsten. Bei Paul VI. war ich Messdiener, von Johannes Paul I. besuchte ich dessen letzte Audienz – über das Thema Liebe – und bei Johannes Paul II. sah ich den weißen Rauch aufsteigen, als er gewählt war. Und nach der Priesterweihe feierte ich zusammen mit diesem Papst innerhalb einer Woche zweimal die heilige Messe – das hat sich zufällig so ergeben.

Was bewegt Sie besonders, wenn Sie an Rom denken?

Das sind vor allem die vielen Begegnungen dort, die mich in meinem Studium geprägt haben und die Freundschaften, von denen viele heute noch bestehen, etwa mit einem Priester aus Nordirland. Menschen aus aller Welt dort zu treffen, das hat mich sehr bereichert. Wir Studenten hatten die Möglichkeit, großen Theologen, geistlichen Gestalten und wichtigen Personen der Kirchengeschichte zu begegnen. Zum Beispiel Hans Urs von Balthasar, Karl Rahner, Gustavo Gutiérrez, Magdeleine Hutin oder Mutter Teresa, die ich mehrmals treffen durfte. Geprägt hat mich die Zeit in einer Priestergruppe, die von Charles de Foucauld inspiriert war oder die pastorale Tätigkeit in einer kleinen Landpfarrei am Lago di Bracciano, wo ich fast zehn Jahr mitgearbeitet habe. Von diesen Eindrücken, Erlebnissen und Begegnungen ist vieles grundgelegt worden. Davon lebe ich heute noch.

Kommen Sie noch oft in die "Ewige Stadt? Was ist das für ein Gefühl?

Alle zwei Jahre nach Rom – das habe ich anfangs geschafft, im Urlaub, bei Kurstreffen oder als Reiseleiter. Inzwischen war ich seit drei Jahren nicht mehr dort, also muss das bald mal wieder sein. Rom – für mich ist das mindestens meine zweite Heimat. Auf Schritt und Tritt begegnet einem die Geschichte von drei Jahrtausenden. Aber es ist keine museale Stadt. Rom ist eine pulsierende Weltstadt, mit all den Schwierigkeiten der Gegenwart – diese Spannung fasziniert mich sehr. Mit Rom bin ich sehr verbunden.

Die Stadt quillt ja fast über von Sehenswürdigkeiten und geistlichen Zentren. Was ist Ihr "Geheimtipp" für den Rombesucher?

Tre fontane, das man von St. Paul vor den Mauern per Bus oder mit der U-Bahn von Ostia aus erreichen kann. Tre fontane ist in der Großstadt wie eine Insel, fast ländlich geprägt und ein Ort der Stille. Man begegnet dort drei wichtigen Epochen der Kirche: Das Zisterzienserkloster mit seiner wunderschönen Basilika ist Erinnerung an eine Zeit, als die Kirche ganz einfach und ganz klar war. Auch die Frühzeit des Christentums spielt dort eine Rolle – denn der Legende nach soll der heilige Paulus dort hingerichtet worden sein. Er soll geköpft worden sein, sein abgeschlagenes Haupt hat dabei dreimal den Boden berührt. An jeder Stelle soll eine Quelle entsprungen sein – Tre fontane heißt übersetzt „drei Quellen“. Und schließlich das kleine Hüttendorf, das der Sitz der Kleinen Schwestern ist. Dort wurde auch die Kapelle wiedererrichtet, in der Charles de Foucauld selbst gebetet hat. Tre fontane ist für mich jedes Mal ein inneres Muss. Es ist mein Lieblingsplatz in Rom. Und wenn man vieles besichtigt hat, viel in Rom unterwegs war, dann ist das ein Ort, an dem man zu sich selbst zurückfindet.

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Kurios: Rom und der Lateran in Mecklenburg

Ein Kirchlein, zwei Störche, 290 Einwohner. Das ist Rom. Bei dem Gotteshaus handelt es sich freilich nicht um den Petersdom, sondern um eine kleine Backsteinkapelle von 1668. Und oberster katholischer Geistlicher ist keineswegs der Papst, sondern ein Pfarrer. Denn dieses Rom liegt an der Bundesstraße B 191, mitten in Mecklenburg zwischen Parchim und Lübz.

Verwechslungsgefahr mit der glanzvollen italienischen Schwester ist denn auch ausgeschlossen. In der namenlosen Kapelle finden 60 Leute Platz, in der Basilika San Pietro 60.000. Auch die Behauptung, alle Wege führten nach Rom, ist hier übertrieben. Kein Zweifel: Rom in Mecklenburg bleibt das "Ewige Dorf".

Bereits 1310 wurde Rom urkundlich erwähnt, ist aber vermutlich mindestens hundert Jahre älter. Der Name legt die Vermutung nahe, dass hier das Gros der Einwohner katholisch war - ganz im Gegensatz zu heute, wo nach Jahrzehnten des Kommunismus noch eine Handvoll Katholiken in Rom lebt.

Dass ein Nachbarort des beschaulichen Fleckens den Namen "Lutheran" trägt, lässt indes keinen Rückschluss auf den großen Reformator als Namensgeber zu. Denn, so vermutete Horst Klawuhn, verdienter Dorfchronist und langjähriger Bürgermeister Roms, der Ort dürfte als "Lateran" gegründet worden sein. In Anlehnung an den bis 1308 bestehenden Papstsitz in Rom - bis die Reformation eine Umbenennung mit sich brachte.

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